[Gedanken] Mein Leben …

 

„Das Leben fühlt sich gerade nicht nach Leben an“ 

Diesen Satz einer jungen Bloggerin mit Behinderung habe ich vor ein paar Tagen gelesen und er geht mir nicht mehr aus dem Kopf. Warum? Weil ich das auch kenne … ich kenne das Gefühl, dass das was ich gerade tue sich nicht nach Leben anfühlt.

Woher kommt dieses Gefühl?

Ich kann nur für mich sprechen, aber ich habe eine bestimmte Vorstellung davon, was Leben ist, bzw. was es beinhaltet. Diese Vorstellung ist geprägt von meiner Erziehung, meinen bisherigen Erfahrungen und der Gesellschaft/meinem Umfeld. Und ich habe früh gelernt, dass „richtig Leben“ gleichzusetzen ist mit „Leistung bringen“. Leistung um jeden Preis. Jeder kann alles erreichen, wenn er sich nur genug anstrengt. So etwas wie „kann ich nicht“ existiert nicht. Körperliche Einschränkungen gibt es nicht – jeder muss sich halt nur genug anstrengen dann geht alles. Usw. usw.

Es ging immer um – höher, schneller, weiter. Haus, Auto, Reisen, Geld … das ist/war Leben. Und dazu musste man arbeiten/Leistung bringen. Nur dann konnte man zufrieden sein.

Behinderte Menschen wurden in meiner Familie gemieden. Über „die“ sprach man nicht. Auch durfte ich keine Fragen über „die“ stellen. Mir wurde erzählt, dass Kinder mit Behinderungen zu Hause versteckt gehalten wurden bis sie „endlich sterben konnten“. 

Als ich Altenpflegerin wurde, wurde ich in meiner Familie beschimpft, weil man mit Kranken, Alten und Behinderten nichts zu tun haben wollte. Weil sie keine Leistung erbrachten gehörten diese Menschen nicht ins Weltbild meiner Familie.

Jetzt da ich eine Diagnose habe und selbst körperlich sehr eingeschränkt bin, kaum leistungsfähig und an manchen Tagen auch noch dazu „verdammt“ im Bett zu bleiben, habe ich genau deshalb ein Problem. Ich empfinde mein „Leben“ nicht als „Leben wie man es mir beigebracht hat“. Ich kann keine Leistung bringen (nicht mal den Haushalt erledigen), deshalb fühlt es sich für mich tatsächlich nicht nach „Leben“ an. Einfach nur leben und das Leben genießen ohne dass ich etwas tue erscheint mir nicht richtig. Manchmal denke ich „noch ein Tag in der Hölle“ … weil mein Kopf darauf beharrt, dass ich etwas „tun muss“, „etwas leisten muss“ um es verdient zu haben zu essen und ein Dach über dem Kopf zu haben. Mein Körper setzt mir dann sehr schnell Grenzen durch Luxationen und/oder Schmerzen. Mein Kopf will tausend Dinge tun – mein Körper bremst mich aus und ich bin frustriert. Frustriert über ein Leben, das ich so nicht will und auch nur schwer akzeptieren kann.

 

Ein Leben, das sich auch für mich nicht nach Leben anfühlt.

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